Ermutigung und Hoffnung am Beginn des neuen Jahres

Liebe Hörerfamilie!
Stellen wir die Worte der Ermutigung und Hoffnung an den Beginn des neuen Jahres 2021. Vor 77 Jahren schrieb der evangelische Theologe und Märtyrer des Nazi Regimes Dietrich Bonhoeffer sein berühmtes Gedicht:

„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Auch das Wort des Dichters Hermann Hesse aus seinem Gedicht „Stufen“ kommt mir an dieser Stelle, zu Beginn eines neuen Jahres, in den Sinn:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Wir sind durch herausfordernde Zeiten gegangen. In Wahrheit lebt die Kirche aber, den Spuren Christi folgend, immer in der Herausforderung, den Menschen in einer Welt voll Schatten und Licht die Freude des Evangeliums zu bezeugen und so Licht für die Welt zu sein. Papst Johannes Paul II. schrieb prophetisch in seiner Enzyklika am Beginn des dritten Jahrtausends:

Ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend öffnet sich im Lichte Christi. Doch nicht alle sehen dieses Licht. Wir haben die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, sein Widerschein zu sein. Es ist das den Kirchenvätern in ihrer kontemplativen Betrachtung so teure mysterium lunae; sie verwiesen mit diesem Bild auf die Abhängigkeit der Kirche von Christus, der Sonne, dessen Licht sie (wie der Mond, Anm. d. Red) widerspiegelt. Das war eine Form, um auszudrücken, was Christus selbst sagt, wenn er sich als »Licht der Welt« vorstellt (Joh 8,12) und zugleich seine Jünger auffordert, »das Licht der Welt« zu sein (Mt 5,14).
Das ist eine Aufgabe, die uns bangen läßt, wenn wir auf die Schwachheit blicken, die uns so oft glanzlos macht und Schatten auf uns wirft. Doch die Aufgabe ist lösbar, wenn wir uns dem Licht Christi aussetzen und es fertigbringen, uns der Gnade zu öffnen, die uns zu neuen Menschen macht.(…) Gehen wir voll Hoffnung voran! Wir zählen auf die Hilfe Jesu Christi, (…) auf die Kraft desselben Geistes, der am Pfingstfest ausgegossen wurde und uns heute dazu anspornt, einen Neuanfang zu setzen. Dabei fühlen wir uns getragen von der Hoffnung, »die nicht zugrunde gehen läßt« (Röm 5,5).

[Johannes Paul II, Novo Millennio Ineunte 54.58]

Herzliche Grüße senden wir nach Rom, wo Martin Strassl seit einigen Monaten weilt und vor kurzem eine geistlich-intellektuelle Formung begonnen hat.
Lieber Martin, Danke von Herzen für das Wertvolle und Schöne, das Du in Deinem Dienst in Radio Maria in so vielen Bereichen eingebracht hast. Gottes Segen Dir für Deinen weiteren Weg im Reich Gottes. Bitte bete für uns in der Heiligen Stadt, ad limina apostolorum (bei den Gräbern der Apostel)!

Das Jahr 2021 haben wir unter das Wort des Evangeliums: „Herr, lehre uns beten!“ gestellt. Auf die Bitte der Jünger antwortet Jesus mit den Worten des Vater Unser. Er gibt uns damit auf einfache und liebevolle Weise teil an seiner Beziehung zum himmlischen Vater, den er seinen „Abba“ nennt. Zu Gott „Papa“ zu sagen war zu der damaligen Zeit etwas unerhört Neues. Und in gewisser Weise ist es das wohl bis heute – für Dich und für mich. So sind diese Worte zugleich Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. Jesus lädt uns ein, in dieses familiäre Verhältnis zu seinem Vater und damit zueinander als Brüder und Schwestern einzutreten: „Vater unser“. In diesem Licht wollen wir die nächsten Monate des neuen Jahres leben.

Ihnen allen von Herzen ein gesegnetes, glückliches Jahr 2021!
Ihr Programmdirektor