Ihre Antworten machen keinen Lärm

von Diakon Christoph Mittermair

Zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 und zur Hundertjahrfeier des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis führte Papst Pius XII. das Fest „Maria Königin“ für die ganze Kirche ein. Damals hätte wohl niemand zu träumen gewagt, dass einige Jahre später die himmlische Bestätigung folgen würde: Denn 1981 begannen die Erscheinungen der Gottesmutter in Medjugorje. Ohne auf pastorale Pläne Rücksicht zu nehmen, ohne vorher bei zuständigen Ämtern oder Behörden anzufragen, kam Maria als „Königin des Friedens“. Dies tut sie sehr ausführlich bis heute.

Kommt sie vielleicht zum letzten Mal? Das ist möglich. Wir beten ja ausgerechnet in der allerletzten Anrufung der Lauretanischen Litanei: „Königin des Friedens, bitte für uns.“ Diese Königin wäre wohl auch das beste Vorbild für alle feministisch verzückten Menschen. Wie die Kirche lehrt, steht die ursprünglich kleine Mirjam von Nazareth mittlerweile sogar über allen Engeln und Heiligen des Himmels.

Sie ist keine „Macherin“, sie ist einfach da in ihrer demütigen Heiligkeit.

Wie wurde das möglich?  Jesus selber lehrt es uns im Evangelium: „Der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ (Lk 22,26) Darin zeichnet sich diese Königin aus. Sie, die von Gott überaus Begnadete, blieb bescheiden und demütig ihr irdisches Leben lang, ganz im Willen des Vaters im Himmel.

Ich ging da lange Jahre ganz andere Wege und versuchte in der Seelsorge viel zu „machen“. Aber trotz großer Anstrengungen verwelkten viele Blüten meiner Arbeit so schnell, wie sie aufgeblüht waren. Andererseits wuchs da immer wieder etwas wie von selbst. Ich brauchte nur da zu sein. Darin entdeckte ich dann die Handschrift dieser Königin: Sie ist keine „Macherin“, sie ist einfach da in ihrer demütigen Heiligkeit. Und genau deswegen kann Gott wachsen lassen. Zudem lernte ich auch, einfach mit ihr zu reden: in meiner Stillen Zeit, nach der heiligen Messe, während der Arbeit oder mitten in den Sorgen. Ihre Antworten machten keinen Lärm, waren oft ganz leise und unscheinbar, gingen aber direkt ins Herz. Wenn ich das ernst nahm, begann immer der Friede zu wachsen – zuerst in mir.

So sei es!

Eines Tages nun bat ich sie, die Königin meines Herzens zu werden. Denn ich sah, dass sie alles daran setzte, mich auf einem geraden Weg zu Jesus zu begleiten. Ihre schlichte Schule des Lebens führt mich heute immer noch zu neuer, innerer Lebendigkeit. Und so bete ich wieder und wieder dieses nachfolgende Gebet, durch welches ich meine persönliche Entscheidung erneuere:

„Im Namen des Dreifaltigen Gottes, Kraft meines freien Willens und in der Gegenwart aller Engel und Heiligen im Himmel erwähle ich Dich heute, o Maria, zu meiner Mutter und Königin. Dir weihe und schenke ich als Dein Gut und Eigentum meinen Leib und meine Seele, all meinen äußeren und inneren Besitz, ja selbst den Wert all meiner guten Werke, der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen. Ganz und voll, ohne jede Ausnahme sollst du das Recht haben, über mich und all das Meine nach dem Plan des himmlischen Vaters zu verfügen, zur größeren Ehre Gottes.“

Zuletzt füge ich als Bestätigung noch meine geistliche Unterschrift, das „Amen“ hinzu: „So sei es!“ Ich bin deswegen nicht arbeitslos geworden, denn ich darf weiterhin der Verwalter von all dem sein, wo ich mich früher selber als mein eigener „König“ gefühlt habe. Und überdies schlafe ich seither nachts tief und gelöst.

von Diakon Christoph Mittermair, aus dem Buch “Siehe deine Mutter”!