Das Mädchen Hoffnung

Gehen wir mit ihr voran

Dr. Gudrun Trausmuth
Redaktion Zeitpanorama

Sie war klein für ihre sechs Jahre, unglaublich lebhaft, sehr blond. Große helle Augen, kalifornische Bräune, dazu eine kräftige Konstitution und ein erstaunliches akrobatisches Talent, das sie ständig hüpfen und Räder und Saltos schlagen ließ. Kühn war sie, zugleich lieblich und spielerisch. Ich bin dem kleinen Mädchen mit dem Namen „Hope“ jedenfalls sofort erlegen. Ja, „Hoffnung“ hieß die Kleine, die ich vor zwei Jahren in Kalifornien über Freunde kennenlernte. „Hopi“, die „kleine Hoffnung“, wie sie liebevoll genannt wurde, hat Potenzial, einmal zu einer sehr starken Hoffnung zu werden, voranzugehen und andere nachzuziehen.

Mir selbst eröffnete die Sommerfreundschaft mit Hope eine neue Tür zur Hoffnung, dieser zentralen christlichen Tugend. Der Schlüssel dafür war, dass der französische Dichter Charles Péguy in seinem Buch „Das Geheimnis der Hoffnung“ die Hoffnung als kleines Mädchen auftreten lässt, woran meine Freundin Hopi mich erinnerte. Glaube, Liebe und Hoffnung – tatsächlich würde man jede Tugend mit einer anderen Gestalt darstellen, hat jede einen anderen Geschmack, einen anderen Kern, auch wenn sie verwandt sind.

Zauber des Anfangs

„In allem was anfängt, ist eine Quelle, ist eine Wurzel, die sich nie wieder findet. Eine Ausfahrt, eine Jugend, die man nie, die sich nie wieder findet. Nun ist aber das junge Hoffen, immer Anfang und immer offen.“ – Péguy beschreibt den Zauber des Anfangs, der in der Hoffnung nie vergeht, immer frisch und jung bleibt; zugleich ist die Hoffnung unbändig und großzügig: „Einzig das Kind Hoffnung hat noch niemals gespart.“ Kühn und rettend in ihrer Unbeirrbarkeit kann die Hoffnung werden, wenn sie gegen Widerstand, eben „wider alle Hoffnung“ hofft, hier zeigt sie ihre Macht – und die Nähe zu ihrer großen Schwester Liebe, der eine unvergleichliche Zugkraft innewohnt.

Dieser Text stammt aus dem Büchlein “Zeugen der Hoffnung”
>>>hier erhältlich<<<

Die Hoffnung Gottes

Péguy ordnet die Hoffnung aber auch Gott zu – die drängende Liebe Gottes zu uns Menschen sei begründet in der Hoffnung Gottes, so der französische Dichter. Péguys Gedanke ist herausfordernd und kühn: Ist Hoffnung nicht auch etwas, das mit Sehnsucht zusammenhängt, mit einer Lücke, einem Fehlen, mit etwas, das noch  nicht erfüllt ist? Und ER, der Vollkommene, soll Hoffnung haben? Die Antwort von Charles Péguy ist wunderbar und erschütternd: Die Hoffnung Gottes hängt mit Seiner Liebe zu uns Menschen zusammen; durch die Sünde haben wir, die wir von Gott unendlich geliebt sind, Seine Hoffnung notwendig gemacht.

Die Hoffnung Gottes hat einen Namen: Jesus Christus. Die Heilsgeschichte erweist sich in diesem Sinne als Geschichte der Hoffnung Gottes. Hat Gott Hoffnung, hat Er Glauben? Wenn wir Menschen unsere Hoffnung auf Christus setzen, geben wir der Hoffnung Gottes Antwort. Jesus Christus, unsere Hoffnung. Diese Hoffnung hat im Kreuz den Tod besiegt, sie allein kann unsere Endlichkeit tragen, kann die Angst vor dem dunklen Tor durch den Glauben an das ewige Leben auffangen. – Und wiederum ist es ein Mädchen, das uns diese lebendige Hoffnung gebracht hat. Sie, die auf die Frage des Engel geantwortet hat: FIAT. Maria, die Mutter unserer Hoffnung. Gehen wir mit ihr voran.

Sie werden es in keiner Zeitung lesen, aber: Radio Maria hat überall auf der Welt beigetragen, Konflikte zu lösen und Frieden zu bringen, wo Krieg herrschte.

Emanuele Ferrario,
Gründer von Radio Maria