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Der Herzstein erzählt ...
Der Herzstein erzählt ...
Lieber Hörer, liebe Hörerin!

Vielleicht denkt man beim Betrachten des Herzsteines am Titelbild an das Prophetenwort: „Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch!“ (Ez 36,26), ein Wort, das wir jedes Jahr in einer Lesung der Osternacht hören, so schön und stark, dass es wegen seiner verheißungsvollen Zusage unser Herz höher schlagen lässt.

Das Wort erinnert mich aber auch an jenen Stein, der den Eingang des Grabes verschloss, so dass die salbentragenden Frauen fürchteten, nicht zu Jesus gelangen zu können. An Ostern werden wir singen: „Der Stein ist weg, das Grab ist leer!“ Österliche Erfahrung, dass der schwere Stein von unserem Herzen gehoben wirdund wir mit der Kirche auf dem ganzen Erdenrund jubeln dürfen:„Der Herr ist wahrhaft auferstanden!“

PH_2017_03_04Diese Erfahrung wird aber vor allem der machen, der sich ein Herz nimmt und die Zeit, sein Leben mit all dem Schönen und Schweren, dem Mühsamen und Steinigen anzuschauen und unter den Blick Gottes zu bringen. Mich von Gott anschauen lassen. Vielleicht taucht dann auch die Frage jener Frauen im eigenen Herzen auf: „Wer wird mir den Stein vom Grab wegwälzen?“ (vgl. Mk 16,3)

„Es müssen Steine des Anstosses auf unserem Lebensweg liegen, damit wir aus dem Schritt der Gewohnheit gerüttelt werden“, sagt die hl. Katharina von Siena über das Steinige in unserem Leben. Vielleicht beginnen manche dieser Steine, wenn wir sie im Licht der Liebe  Gottes betrachten, zu glänzen und  zu  leuchten, wie nach einem Regen oder wie solche, die man - wie die Kinder es tun – aus dem Bach fischt. Oder sogar wie Edelsteine. Teresa von Avila vergleicht die Seele des Menschen mit einem leuchtenden Kristall, aus dessen innerster Mitte der gegenwärtige Gott sein Licht und Leben schenkt. Ja, „ein Haufen Steine hört in dem Augenblick auf, ein Haufen Steine zu sein, wo ein Mensch ihn betrachtet und eine Kathedrale darin sieht.“ (Antoine de Saint- Exupéry)

Das Bild der Kathedrale erinnert mich an die Aufforderung des Apostels, den der Herrden Fels genannt hat: „Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ichlege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ (1 Petr 2,4-6)

Der Herzstein erzählt mir von der Kostbarkeit der  Seele und des menschlichen Seins. Wenn ich nur still werde, schaue, aufmerksam hinhöre. „Glaube mir, ich habe es erfahren, du wirst ein Mehreres in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was kein Lehrmeister dir zu hören gibt“ (Bernhard von Clairvaux)

Diese Erfahrung des Schauens und Hinhörens wünsche ich Ihnen in diesen Wochen, da bald der Frühling ins Land zieht und alles zum Keimen und  Sprossen bringt. Eine ganz gesegnete  Fastenzeit und ein tiefes, frohes Osterfest wünscht Ihnen von Herzen

Ihr

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Programmdirektor Radio Maria Österreich

Bunt wie das Leben!