Programmtipps
"Ich bin die unbefleckte Empfängnis"
Beinahe wäre meine erste Lourdeswallfahrt im Jahr 1986 auch meine letzte gewesen: ich selber kaum vorbereitet, die Wallfahrt durch das Reisebüro eher lieblos organisiert und durchgeführt, und mit zweieinhalb Tagen inklusive Hin- und Rückflug auch viel zu kurz.


Zum Glück hatte ich damals aber einen Pfarrer als Chef, der im Marianischen Lourdeskomitee Österreich (MLK) mitarbeitete und mir sagte: „Was du erlebt hast, war nicht Lourdes. Gib ihm noch eine Chance, fahr einmal mit uns mit!“ Das habe ich vier Jahre später gemacht – was ich bei dieser zweiten Pilgerfahrt alles sehen und hören durfte, war schon beeindruckend. Zwei Jahre danach packte mich erneut die Sehnsucht nach Lourdes – diesmal ohne Kamera, nur konzentriert auf die geistliche Botschaft.

Ich ahnte damals noch nicht, dass ich drei Jahre später selber Mitglied im Kuratorium des MLK und fünf Jahre danach dessen Präsident sein sollte und mittlerweile öfter als 25 mal am Gnadenort war.
Ein Artikel von Pfr. Johannes Putzinger
Bernadette von Lourdes und die schöne Dame
Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 erschien dem kranken, mit 14 Jahren noch immer des Lesens und Schreibens unkundigen Mädchen Bernadette Soubirous in der Grotte von Massabielle eine wunderschöne „Dame“, die sich am 25. März bei der 16. Erscheinung mit den Worten
Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ vorstellte und Bernadette zum einen Botschaften übermittelte, die nur sie persönlich betrafen, zum anderen aber auch die Kirche und die ganze Welt.

Was ist nun kurz gefasst die Botschaft von Lourdes? Die Muttergottes richtete an Bernadette mehrere Male den Ruf zur Buße - für viele eine düstere Botschaft, aber letztlich der Ruf an die Menschen, ihr Leben zu bessern - nicht nur als eigene geistliche Kraftanstrengung, sondern als Bereitschaft zur Umkehr, bei der uns Gott selber, aber auch Maria als Fürsprecherin behilflich ist. Gott kommt dem Sünder entgegen, der sich auf den Weg zu ihm macht. Daher spielt in Lourdes auch heute das Bußsakrament eine große Rolle, in dem viele Menschen - vielleicht nach langem Irren - wieder mit Gott, der Kirche und auch mit konkreten Menschen versöhnt werden. Wir haben daher bei unseren Pilgerflugreisen immer auch Beichtpriester mit, die viel zu tun haben.

Eine weitere Bitte der Gottesmutter betrifft das Gebet für die Sünder und die kranke Welt. Seit ältester Zeit begleitete die Kirche die Sünder durch Gebet und Opfer auf ihrem Weg der Umkehr; in Lourdes hat uns Gott diesen Dienst durch Maria wieder in Erinnerung gerufen: durch unser Beten und Opfern füreinander einzustehen und so manchem Menschen bei der Bekehrung zu helfen. 

Unübersehbar sind in Lourdes die Kranken. Sie spielen eine ganz besondere Rolle. Für mich selber sind sie wesentliches Element unserer Pilgerfahrten, geben ihnen einen ganz besonderen Charakter. Oft ist es auch für körperlich Gesunde sehr wohltuend, gemeinsam mit den Kranken unterwegs zu sein. Wer zieht daraus den größeren Nutzen?
Lourdes - Heil für die Kranken
Die Heilung von 68 Personen wurde bisher als Wunder anerkannt. Dazu kommen aber auch zahllose andere Heilungen des Leibes und der Seele, sodass man Lourdes zu Recht als großes „Sanatorium“, als Heilstätte Gottes, bezeichnen darf: Heilung und Heil wird den Menschen an diesem Ort zuteil. Kranke Pilgern schrieben mir einmal: „Lourdes hat uns eine ‚neue Welt’ eröffnet, in der das Leid, der Schmerz, ein wenig von seinem Schrecken verliert und einen Sinn im Leben erkennen lässt. Auf besondere Weise dürfen wir hier erfahren, dass sich Himmel und Erde berühren und Wirklichkeit sind. – Werden wir auch nicht körperlich geheilt, so ist es uns auf Grund dessen möglich, immer wieder aufs Neue unser Ja zum Willen Gottes auszusprechen und unser Kreuz anzunehmen.“

Eines der prägenden Zeichen von Lourdes ist die Quelle, die Bernadette bei der neunten Erscheinung auf Geheiß der Gottesmutter entdeckte und die seither unaufhörlich fließt. Nicht die Menge macht die Wirkung, sondern der Glaube, sagte die Heilige von Lourdes einmal. Zugleich darf uns die Quelle Symbol des Gnadenstroms sein, der von Gott unaufhörlich zu uns ausströmt.

Die Gottesmutter verlangte von den Priestern durch Bernadette auch, eine Kirche oder wenigstens eine Kapelle zu bauen und die Menschen aufzurufen, in Prozessionen zur Grotte zu ziehen. Gleich sechs größere Kirchen sind in Lourdes im Lauf der letzten 150 Jahre entstanden: Krypta, Obere Basilika, Rosenkranzbasilika, die unterirdische Basilika Papst Pius‘ X., Josefskirche und Bernadettekirche. Und die Menschen kommen millionenfach aus allen Teilen der Welt nach Lourdes, um hier bei der Sakraments- und Lichterprozession Kirche als pilgerndes Gottesvolk zu erleben und sich „als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“ (1 Petr 2,5) oder sich in dieser Berufung neu bestärken zu lassen.

Jede Wallfahrt nach Lourdes zeigt mir von neuem, dass dort in vielen Menschen eine Wandlung passiert, die nicht nur ein paar Tage anhält, sondern weit über die Zeit der Wallfahrt hinauswirkt und mithilft, Kirche stets neu am jeweiligen Ort zu bauen. 

Der Artikel stammt aus unserem neuen Büchlein "Siehe deine Mutter" zum Fatimajahr 2017. Es ist bei uns im Hörerservice unter 01 710 70 72 erhältlich.

"Ich ermutige Euch, in Eurem Einsatz für das Evangelium voranzugehen!"

Papst Benedikt XVI.
für Radio Maria, 4.Okt.06